Die Chronik (Text und Bilder: Hans-Peter Lautner, November 2001)

1951-1956 – Die Gründerjahre

Nach der Aufhebung des Flugverbots durch die alliierten Siegermächte kam es 1951, wie in vielen anderen Orten Deutschlands auch, im Landkreis Gunzenhausen zur Gründung von zwei Flugsportvereinigungen. Während die Bemühungen der damaligen Gunzenhäuser Flieger leider erfolglos blieben, war der Flieger – Vereinigung “Gelbe Bürg” Dittenheim, einem Nachbarort von Gunzenhausen, eine kontinuierliche Entwicklung beschieden. Die Gründungsinitiative ging vom späteren Vereinsvorsitzenden Hermann Witzleben, dem sich Flugbegeisterte aus dem Ort anschlossen, aus.

Unter seiner Leitung wurde sofort mit dem Bau eines “Schulgleiters” vom Typ SG 38 begonnen, um vom nahen Gelben Berg mittels Gummiseilstart erste Gleitflüge zu unternehmen.

Anlässlich eines Flugtages in Dittenheim, der mit Unterstützung der Eichstätter Fliegerfreunde durchgeführt werden konnte, wurde der fertiggestellte Schulgleiter 1953 einer breiten Öffentlichkeit vorgestellt und auf den Namen “Gelbe Bürg” getauft. Zugleich hatte Hermann Witzleben bereits mit dem Bau eines Übungsflugzeuges vom Typ Baby II a begonnen.

1956-1958 – Als Gastflieger in Eichstätt

Nachdem sich das mühsame Starten mit dem Gummiseil doch als wenig effektiv erwies, fand Hermann Witzleben, Dank eines Willi Meister, Karl Kölle und Victor Meyerle, als Gastverein Aufnahme bei den Eichstätter Fliegern. Hier konnten nun die Flugbegeisterten aus Dittenheim und die ersten Gunzenhäuser, die zu dem Dittenheimer Verein stießen, nicht nur ein solide Ausbildung bekommen, sondern fanden auch bis 1958 eine fliegerische Heimat.

Der Drang nach Eigenständigkeit war groß und so wurde in diesem Jahr in Dittenheim und später in Gunzenhausen mit Unterstützung der Firma Eisenwerk Theodor Loos mit dem Bau einer eigenen Seilwinde begonnen.

1958-1965 – Der Sprung in die Selbständigkeit

Auf dem zwischenzeitlich in Heidenheim gefundenen Fluggelände, einem ehemaligen “Schafwasen”, erfolgte endgültig der Sprung in die Selbständigkeit. Mit der fertiggestellten Seilwinde, dem SG 38 und dem von Hermann Witzleben dem Verein zur Verfügung gestellten Baby konnte endlich ein eigener Flugbetrieb unter der Leitung von Fluglehrer Fritz Müller aufgezogen werden.

Nach der Fertigstellung der Flugzeughalle auf dem Schafberg entfiel das sonntägliche Transportieren und Aufrüsten der Segelflugzeuge.

Zu diesem Flugzeugpark kam dann das erste doppelsitzige Segelflugzeug, ein Doppelraab V, hinzu. Zwischenzeitlich wurde im Jugendheim in Gunzenhausen bereits mit dem Rohbau einer K 8, eines einsitzigen Leistungssegelflugzeuges, begonnen, das 1960 auf den Namen “Stadt Gunzenhausen” getauft und in Betrieb genommen wurde.

1965-1967 – Neues Segelfluggelände in Gunzenhausen-Reutberg

Kaum hatten sich die Flieger in Heidenheim etabliert, wurde der Verein mit der Tatsache konfrontiert, dass auf dem Fluggelände eine Panzergarnison angesiedelt werden sollte. Ein Fortbestehen in Heidenheim war nicht mehr möglich.

In langwierigen Verhandlungen mit Landrat Hansgeorg Klauss und vielen Oberasbacher Landwirten konnten die Vorstände Robert Spitzbart und Hans Schnell den Gunzenhäuser Reutberg als neues Segelfluggelände erschließen.

Nach erfolgreichem Abschluss der Grundstücksverhandlungen erfolgte der Bau der ersten Flugzeughalle und der Landebahn, so dass die ersten Segelflugstarts im Mai 1965 durchgeführt werden konnten.

Auch die ersten Motorflugstarts erfolgten noch 1965 mit einer Sondererlaubnis des Luftamtes.

Ein großer Sprung in den Leistungssegelflug eröffnete sich durch die Inbetriebnahme der im Eigenbau erstellten K 7, eines für die damalige Zeit leistungsstarken Doppelsitzers sowie durch den Kauf des einsitzigen Leistungssegelflugzeuges K 6 CR im Jahre 1965.

Im Jahr 1966 erfolgte dann unter großer Teilnahme der Öffentlichkeit die Einweihung des Fluggeländes.

1968-1972 – Zulassung zum Sonderlandeplatz

1968 erhielt das Segelfluggelände die Zulassung zum Sonderlandeplatz, was ab sofort auch fremden Piloten mit ihren Motorflugzeugen ermöglichte, den Flugplatz Gunzenhausen – Reutberg anzufliegen. Mit dieser Zulassung wurde nun auch der jederzeitige Flugzeugschleppbetrieb möglich.

Um dem Wunsch vieler Mitglieder zum “unbeschränkten” Fliegen nachzukom-men, entschied man sich 1970 zum Kauf des ersten Motorseglers vom Typ Scheibe SF 25 B und wenig später zum Kauf der ersten Motormaschine vom Typ Klemm 107B.

Mit diesen Anschaffungen, einer größer werdenden Anzahl von Mitgliedern und dem Wunsch nach Leistungsflügen, die über die 300 km-Grenze hinausgehen sollten, begann eine neue Ära bei der Flugsportvereinigung.
1972-1981 – Start in den Leistungssegelflug

Auch für die Gunzenhäuser Flieger begann das Zeitalter der Kunststoff – Segelflugzeuge, die sich durch ihre schnittige Aerodynamik und hervorragende Flugeigenschaften auszeichneten. Ab diesem Zeitpunkt wurden im Verein von den Spitzenpiloten Strecken von mehr als 500 km erreicht. Es gab keine Nachwuchssorgen und mit steigender Anzahl der aktiven Mitglieder konnte die Vereinigung innerhalb von ca. acht Jahren die nachfolgenden Segelflugzeugtypen erwerben und zum Teil wieder austauschen: ASW 15B, Standard-Cirrus, Astir CS, ASW 19B, ASW 20, ASW 20C. Um diese Anschaffungen finanzieren zu können, wurden seit 1972 jährliche Bergfeste abgehalten.

Mit dem wechselnden Flugzeugpark nahmen die Piloten erstmals auch an den Segelflugwettbewerben, bis hin zur Deutschen Segelflugmeisterschaft, teil. Klaus Karg gewann 1978 die Bayerische Segelflugmeisterschaft der Standardklasse; die Brüder Wolfgang und Walter Müller gingen mehrfach als Sieger bei dezentralen Meisterschaften und beim Mittelfränkischen Vergleichsfliegen hervor. Gunzenhausen selbst hielt 1976 seinen ersten Wettbewerb, das erste Westmittelfränkische Vergleichsfliegen, ab.

1981-1987 – Hallen- und Landebahnbau

Durch den sich ständig vergrößernden Flugzeugpark war in der ursprünglichen Halle kein vernünftiger Platz mehr zum Unterstellen der Segelflugzeuge vorhanden. Zwei Segelflugzeuge mussten nach jedem Flugbetrieb an die Decke der Halle mit einer Seilwinde gehievt werden. Unter der Vorstandschaft Peter Denkfelder und Rolf Loos entschied man sich zum Bau einer neuen Flugzeughalle. Diese wurde in Eigenregie in den Jahren 1981 und 1982 durch die Mitglieder errichtet. Der zunehmende Motorflugbetrieb machte in dieser Zeit auch den Bau einer ersten Tankstelle nötig und auch die Firma Eisenwerk Loos entschied sich für ihre Geschäftsflüge zum Kauf einer einmotorigen Reisemaschine vom Typ Piper-Malibu.

Einen weiteren Meilenstein in der Geschichte der Vereinigung stellte 1985 der Bau der 725 Meter langen Asphaltbahn dar. Diese konnte mit Unterstützung der Kommunen, der Firma Loos und den Hand- und Spanndiensten der Mitglieder letztendlich errichtet werden.

1987-2001 – Bestandssicherung durch weiteren Ausbau

Nach der Fertigstellung der Landebahn war ein deutliches Interesse am Motorflug erkennbar. Diesem Trend wollte man Rechnung tragen. Begünstigt durch die Tatsache, dass sich ein Berufspilot der Firma Loos als ehrenamtlicher Motorfluglehrer zur Verfügung stellte, wurde neben der Segelflugschule des Vereins nun durch den Vorsitzenden Alfred Rustler eine Motorflugschule ins Leben gerufen.

Diese Gründung bedingte auch die Anschaffung eines für die Schulung geeigneten Motorflugzeuges. Die Wahl fiel daraufhin auf die weltweit verbreitete Schul- und Reisemaschine vom Typ Cessna 172. Bereits zu dieser Zeit waren die Infrastrukturprobleme am ständig wachsenden Flugplatz nicht mehr zu übersehen. So fehlten vernünftige sanitäre Einrichtungen, eine Teeküche, ein Schulungs- und Aufenthaltsraum, eine zentrale Stelle zur Überwachung der steigenden Starts und Landungen. Es reifte der Gedanke nach der Errichtung eines Flugbetriebsgebäudes. In einer Bauzeit von knapp drei Jahren wurde von den Mitgliedern und wiederum mit Unterstützung der Stadt Gunzenhausen, der Firmen Loos und Bromm ein zeitgemäßes Flugbetriebsgebäude errichtet, das 1996 im Beisein vieler Ehrengäste seiner Bestimmung übergeben wurde.

In diese Zeit fielen noch weitere Maßnahmen, wie 1993 der Kauf des Kunststoffdoppelsitzers ASK-21,1998 der Kauf des Hochleistungseinsitzers Discus und der Neubau der Tankstelle.

Ein weiterer Höhepunkt war Ende 2000 die Auslieferung einer neuen Robin-Remorquer, die im April 2001 von 1. Bürgermeister Gerhard Trautner auf den Namen “Stadt Gunzenhausen” getauft wurde.

Heute (Stand November 2001) besitzt die Flugsportvereinigung einen Flugzeugpark mit 5 Segelflugzeugen, 1 Motorsegler und 2 Motormaschinen. Flugsport betreiben 61 aktive Mitglieder, in Ausbildung befinden sich 11 Schüler, von einer großen Zahl fördernder Mitglieder wird die Vereinigung dankenswerter Weise unterstützt. Lässt man das Nachwuchsproblem außen vor, kann der auf gesunden finanziellen Beinen stehende Verein optimistisch in die Zukunft blicken. Dank sagt die FSV an dieser Stelle all ihren Förderern, insbesondere der Gunzenhäuser Industrie und der Stadt, die den Belangen des Flugsports immer aufgeschlossen gegenüberstanden.

2007 Einstieg in die Ultraleichtfliegerei

Bereits in den 1980er Jahren entwickelte sich der Drachenflugsport weiter und es lag nahe, diese Fluggeräte mit kleinen Verbrennungsmotoren zu versehen. Der Grundstein für die moderne Ultraleichtfliegerei war gelegt. Die Flugsportvereinigung Gunzenhausen bemühte sich frühzeitig, auch für diese Sparte eine Betriebsgenehmigung zu erhalten.

Eines der ersten in Serie hergestellten Ultraleichtflugzeuge, eine Ikarus C22, wurde dem Verein von einem Mitglied überlassen. Diese Rohr-Tuch-Konstruktion ähnelte noch sehr den Konstruktionen aus der Drachenflugszene. Die Ultraleichtfliegerei erfreute sich schnell wachsender Beliebtheit und der Verein trug dem mit dem Kauf einer TL96 Sting im Jahre 2007 Rechnung. Seit 2013 ist in dieser Sparte eine Pioneer 200 im Einsatz.

Weil die aufgrund ihrer Bauart etwas schwereren Kunststoffsegelflugzeuge von der bereits im Jahre 1958 in Dienst gestellten Seilwinde nur mühsam in ihr Element befördert werden konnten, entschied man sich, im Jahre 2008 diese in die Tage gekommene Winde durch eine moderne Diesel-Seilwinde zu ersetzten. Genau 60 Jahre später trägt diese Anschaffung zu einem kostengünstigen aber vor allem annähernd lautlosen Startverfahren bei. Gerade in der Segelflugausbildung bringt diese Startart viele Starts und Landungen in kurzer Zeit, so dass ein schneller Ausbildungserfolg gewährleistet ist.

Heute (Stand November 2015) besitzt die Flugsportvereinigung einen Flugzeugpark mit 4 Segelflugzeugen, einem Ultraleichtflugzeug und 2 Motormaschinen. Flugsport betreiben etwa 80 aktive Mitglieder, in Ausbildung befinden sich 8 Schüler, von einer großen Zahl fördernder Mitglieder wird die Vereinigung dankenswerter Weise unterstützt. Der auf gesunden finanziellen Beinen stehende Verein kann optimistisch in die Zukunft blicken.
Dank sagt die FSV an dieser Stelle all ihren Förderern, insbesondere der Stadt Gunzenhausen, die den Belangen des Flugsports immer aufgeschlossen gegenüberstand.