Schweden-Flug. Midsommar 2015

Bereits im November des Vorjahres erhielten alle Mitglieder von Angela und Rolf die ersten Informationen zur Einladung/Vorbereitung eines – wie wir heute wissen – tollen Abenteuers. Es galt mit mehrerern Flugzeugen, gerne auch von anderen Vereinen, Mitte Juni aufzubrechen um ein für skandinavische Verhältnisse besonders wichtiges und beeindruckendes Fest zu besuchen: den Midsommar in Schweden 2015. Angela und Rolf gelang es auf dem ersten Informationsabend mit ihren Schilderungen und Fotos von vergangenen Reisen schnell  die interessierten Piloten zu begeistern. In der zweiten Besprechungn im Februar 2015 wurden die Routen abgestimmt, Zwischenstops festgelegt und Details zur Fracht (Bratwürste, Bier und andere essentielle Dinge) besprochen. In den nächsten Wochen  buchte ich Hotelzimmer auf Lolland (Dänemark), in Siljansnäs (Schweden) und  Rügen sowie  einen Mietwagen der es uns ermöglichen sollte flexibel vom Flugplatz Siljansnäs (ESVS) zur “Hauptstadt” der Midsommar-Party: Leksand zu pendeln. Unser Fluggerät, eine Tobago 10 (D-EAKC) war bereits fest gechartert.

Meine J3C kurz vor dem Aufbruch

Am 17. Juni war es dann soweit. Herbert ließ mich in aller Frühe um 0800 h loc. mit meiner Piper J3C, in der ich am Vorabend 3 Schwimmwesten und das restliche Gepäck sicher verstaut hatte, Richtung Herzogenaurach (EDQH) abheben. Dort angekommen wurde von der Piper in die TB 10 umgeladen, aufgetankt und gecheckt ob auch die restlichen Utensilien ( Headsets, Leinen und Erdanker, Reserve-Öl) an Bord waren. Es dauerte nicht lange, da sah ich auf dem Vorfeld auch schon eine Zwei-Mann-Crew, die fleißig am Einräumen in eine Cessna 172 (D-EEQS) war. Unmengen von Wasser, zwei große Koffer und natürlich ein Faß Bier. Rüdiger und Thomas waren offensichtlich gut gerüstet und wir hoben fast zur gleichen Zeit in Richtung unseres ersten Zwischenstops – Hildesheim, EDVM, ca. 190 nm –  ab. Das Wetter war durchwachsen aber kein Problem. Allerdings mussten wir aufgrund der Vorhersagen bereits jetzt davon ausgehen, dass sich das in den nächsten Tagen auf keinen Fall verbessern, eher noch etwas verschlechtern sollte. Am Verkehrsflughafen Hildesheim warteten meine beiden Söhne Sebastian (der zweite Pilot) und Markus bereits auf der Terrasse des Restaurants “Airport-Diner”. Nach einem guten Mittagessen tankten wir die TB 10 auf und Sebastian saß links auf dem Flug nach Lolland, Dänemark (EKMB, ca 190nm), wo wir dann auch Angela und Rolf treffen sollten. Bei passablen Sichten und Untergrenzen von etwa 1000 Fuß kamen wir am Nachmittag auf der kleinen dänischen Insel an und hatten damit alle unser erstes Tagespensum erfüllt. Sebastian feierte seinen 22. Geburtstag in einem rustikalen Steakhouse in Maribo. Es war lecker und auch das dänische Bier war ok. Am nächsten Morgen zeigte sich das Wetter leider noch schlechter als am Vorabend. Es regnete und die Untergrenzen ermöglichten erstmal keine VMC. Rolf studierte Meteogramme, ich telefonierte mit Hamburg, Flugwetterberatung und schließlich kamen wir zur Entscheidung am späten Vormittag zu starten und unser Glück zu versuchen. Unser Plan für diesen Tag: Boras in Schweden (ESGE, 217 nm),Zwischenstop, Auftanken und weiter zum vorläufigen Endziel Airpark Siljansnäß (ESVS, 230nm). Das Teilstück nach Boras führte uns über die Ostsee in schwedische Gewässer und im Landesinneren über die für Südschweden typische wald- und seenreiche Landschaft. In Boras angekommen, wurden wir freundlich empfangen und ins Clubhaus eingeladen. Nach dem Auftanken, Rolf machte aufgrund der relativ kurzen Piste seine DA 42 nicht ganz voll, planten wir im Clubhaus den Weiterflug und stärkten uns mit den Burgern, die Markus in der nahegelgenen Ortschaft für alle besorgt hatte. Das Thema war wieder einmal das Wetter. Während Rolf seinen typischen Strich mit einem Kurs vom Start zum Ziel auf die Karte eintrug (Rolf kann auch IFR) diskutierte ich mit Rüdiger und Thomas über die optimale Route. Die Cessna plante dann etwas weiter westlich zu fliegen, während die Schmitts direkteren Kurs in Landesinnere fliegen wollten. Beide Maschinen erreichten an diesem Tag ihr Ziel nicht mehr. Niederschlag und Wolkenuntergrenzen von weniger als 400 AMSL zwangen die Cessna ca 20 nm vor Siljansnäß auf einem kleinen Grasplatz mit idyllischen Hütten zu übernachten. Wir – die Crew der TB 10 – landeten auf einem relativ großen Verkehrslandeplatz bei starkem Regen und befeuert von PAPI´s in Karlstad (ESOK) ca. 90 nm vor unserem Ziel.

Beim Grillen in Siljansnäß

Magistrale in Stockholm

Sonnenuntergang auf Rügen

Wie so oft im Leben wendete sich etwas Unerfreuliches sehr schnell in eine tolle Erfahrung. Gleich am Flugplatz empfing uns ein junger Pilot bei strömendem Regen und bat uns in die Räume seines Fliegerclubs. Er checkte mit uns das Wetter – keine Chance zum Weiterflug – und buchte uns auch gleich ein Hotel in Karlstad. Nicht nur das, er fuhr uns auch noch mit seinem privaten PKW bis dorthin und verabschiedete sich erst nachdem wir an der Rezeption auch sicher eingecheckt hatten und er uns noch Tipps für den Abend mit auf den Weg gab.

Am nächsten Morgen gings mit dem Taxi zum Airport und Sebastian nahm einen erneuten Anlauf Richtung Siljansnäß. Sprit hatten wir noch genug und eine knappe Stunde später waren wir auch schon angekommen. Wie in Schweden üblich, erwarteten wir keine Antworten am Funk, aber Fehlanzeige. Die vertraute Stimme von Angela wies uns die Landerichtung und Sebastian landete sicher auf der 920 m langen Graspiste. Um 15.00 sollte das gemeinsame Grillen beginnen, also noch genug Zeit um auszupacken und nach Tällberg (ca. 20 km) zu unserem Hotel zu fahren. Mit unserem Mietwagen kamen wir nach einem kurzen Stopp in Leksand (leckere Steaks und Krabben kaufen) wieder am Airpark an und die letzten Stunden vor dem großen Midsommar-Fest brachen an. Die Cessna-Crew, sowie Angela und Rolf hatten für die bayerische Elementarnahrung vorgesort und Stephan flog frische Nürnberger Bratwürste ein. Zusammen mit anderen Piloten aus Schweden wurde gegrillt und – ja man könnte im aktuellen Jugendslang sagen – vorgeglüht.

Blick aus unserem Hotel in Tällberg

Karlsatad

Irgendwann im Laufe des Abends (wirklich dunkler wurde es ja nicht) entschieden wir uns nach Leksand, ins Herz der schwedischen Midsommarfoklore zu fahren. Dort angekommen war schnell klar, dass hier etwas Großes passiert. Jugendliche neben Familien und Senioren, alle wollten die buntgeschmückten Boote auf dem Fluss (Österdalälven) und natürlich den riesigen Festzug mit einer nicht enden wolleenden Kette von Folkloregruppen. Herausgeputzt und musizierend trugen sie alles mit sich, was dann in einer Art Naturarena zum Mittelpunkt des Spektakels werden sollte. Ein prachtvoll geschmückter Baumstamm mit Kränzen, und vielen Symbolen, genannt Midsommarstang, wurde nach und nach von hochmotivierten Schweden in Tracht und mit viel Kraft in der Mitte der großen Wiesenfläche aufgerichtet. Die Krönung war dann ein Tanz, bei dem sich alle an der Hand nahmen und rund um das traditionelle Symbol der Fruchtbarkteit tanzten. Es war eine Stimmung der Leichtigkeit und Fröhlichkeit die alle angesteckt hatte. Das Ganze war trotz fortgeschrittener Stunde (zwischen 21 und 23 h) auch ohne Beleuchtung gut zu verfolgen. Hey, es war Midsommar in Schweden. Diese Nacht sollte überhaupt nicht so richtig dunkel werden. Die Vorhänge in meinem Hotelzimmer ermöglichten mir später dann trotzdem ein paar Stunden Schlaf.

Am nächsten Tag ging ein Teil der Gruppe in einen Bärenpark, den größten übrigens in ganz Europa. Markus und Sebastian zogen es vor mich davon zu überzeugen, dass doch ein Ausflug in die Hauptstadt viel reizvoller wäre. Nach kurzer Prüfung der möglichen Airfields und Erkundigung bei Rolf folgte Papa dem dringenden Wunsch und wir machten uns auf den Weg zur vorgezogenen Abreise vom Airpark Siljansnäß. Wir verabschiedeten uns von Ingmar, der uns noch letzte Informationen zu den anzurufenden FIS-Stellen mit auf den Weg gab. Unser Ziel: Ska, Edeby (ESSE). Ein schön gelegener Grasplatz nur 20 Taxi-Minuten weg von Stockholm. Erneut wurden wir außerordentlich freundlich empfangen. Der auf Ende sechzig geschätzte Flieger sprach sogar ein paar Worte Deutsch, da er in den 60ern als Tiefbauingenieur in Berlin beschäftigt war. Auftanken, Flieger parken und ab nach Stockholm.

Unser Hotel lag ziemlich zentrumsnah. Eine Freundin von Sebastian, die in Stockholm ein Semester studierte, holte uns ab und wir verbrachten einen tollen Abend zusammen. Schon ein besonderes Gefühl mit einem Cocktail in der Hand in einer Roooftop Bar um Mitternacht in einen hellblauen Himmel zu blicken. Das ist Stockholm. Nach einer kurzen Nacht machten wir uns am nächsten Morgen Richtung Rügen auf. Wetterbericht: Marginal bis problematisch, aber das kannten wir ja bestens. Wir gaben unseren Flugplan auf und hielten uns an die Empfehlung der Flugwetterberatung entlang der Ostküste über den herrlich pitoresken Schärengarten, auch Archipelago genannt, mit seinen mehr als 30.000 Mini-Inseln zu fliegen. Ein schöneres Abschiedsgeschenk hätte uns Schweden am Tag unserer Rückreise nicht machen können. Bald kam die große Ostseeinsel Öland und mit ihr erschien unter uns die Hafenstadt Kalmar. Jetzt änderten wir unseren Kurs von Süd auf Süd-West nach Kristianstad. Das war dann auch genau die Zeit des Rendezvous mit dem angekündigten Tief. Sichten gingen zurück auf ca. 5 km und die Untergrenzen dürften nicht weit über 600 ft. gelegen haben. Als wir das Festland von Schweden verlassen und die Ostsee erreicht hatten, waren die Wetterbedingungen wieder gut und wir genossen die kommenden 50 Meilen über die offene See. Wieder deutschen Boden unter uns landeten wir am frühen Abend auf Rügen. Markus suchte uns ein gemütliches Lokal (Gutshaus Kubbelkow, wärmstens zu empfehlen) und wir verbrachten einen schönen Abend bei köstlichem Essen, guten Wein und netten Erinnerungen an die zurückliegenden Tage auf Rügen.

Gegen Mittag hoben wir am folgenden Tag ab mit Zielflugplatz Hildesheim, EDVM. Nach der Landung noch ein gemeinsames Farewelldinner im Airportdiner, Kinder verabschieden und dann machte ich mich mit der TB 10 bei äußerst schlechten Wetterbedingungen mit einem kleinen Umweg über Kassel, Fulda, Gellenhausen, Würzburg auf den Weg nach Herzogenaurach. Thüringer Wald und Spessart umflogen, landete ich bei leichtem Regen, aber deutlich entspannteren Wetterbedingungen in Mittelfranken. Dank der Hilfe von Kurt Malter kostete das Umladen in meine Piper nur wenige Minuten und ab gings nach EDMH. Heike Stark ließ mich gegen 21.00 auf der 06 landen und voller neuer Eindrücke und großartiger Stunden im Cockpit war ich dann doch froh gegen halb zehn meine J3C wieder eingehallt und die Hangartür verschlossen zu haben. Schweden hat drei neue Freunde gewonnen und ich einen unvergesslichen Urlaub mit meinen beiden Söhnen erlebt.

TB 10 in Hildesheim (EDVM)

Gregor

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Ohne Lächeln kommt der Mensch, ohne Lächeln geht er. Drei fliegende Minuten lang war er froh. (Jean Paul)


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